Um mit Hund und Rad einmal auf besondere Weise von München nach Sizilien zu reisen - und dabei noch unser Sizilienprojekt zu promoten - kam Christian auf die Idee einen Fahrradwohnwagen zu bauen. Inspirieren ließ er sich dabei von André.
- Bevor es nun zum Wohnwagenbau geht noch eine Randbemerkung: Viele Fotos sind im Wechselmodus eingestellt, d.h. wenn man mit der Maus darüber fährt zeigen sich weitere Fotos.
Werkstatt gesucht...
Nun galt es erst eine geeignete Werkstatt dafür zu finden. Zunächst kam uns der Fahrradladen Cycle in Pasing in den Sinn, einmal lag er relativ nahe, zum zweiten leisten die Jungs dort gute Arbeit zu einem vernünftigen Preis. Doch deren Werkstattbereich bot nicht genügend Raum. So fragten wir als nächstes bei eXtreme Bike, wo Christian vor gut zehn Jahren sein extremes Bike gekauft hatte. Herr Walter, Chef des Ladens stellt gute Räder aus hochwertigen Komponenten zusammen, wobei man als Kunde noch besondere Wünsche äußern kann. So bietet eXtreme Bike die Möglichkeit extreme Räder zu einem guten Preis zu erwerben. Leider würde ein Planwagen seinen Werkstattbereich komplett in Anspruch nehmen und für ein bis zwei Wochen kann er dies natürlich unmöglich in Kauf nehmen. Er machte uns dennoch ein tolles Angebot und gab uns noch einen Tipp. Er würde das Fahrrad für die Sizilientour auf Vordermann bringen und schlug vor einmal beim ADFC München wegen dem Bau des Planwagens anzufragen. Die hatten gleich ums Eck eine Werkstatt. Zwei seiner Mechaniker erklärten sich generell auch bereit beim Bau des Wagens mitzuhelfen.
So radelte Christian spontan zur besagten ADFC Werkstatt, die auch gerade in Betrieb war. Mitglieder können dort zwei Mal in der Woche ihre Räder richten und sich Tipps geben lassen. Zwei Vorständler waren praktischerweise auch gerade zugegen. Sich zeigten sich nicht abgeneigt, wollten die mögliche Kooperation jedoch verständlicherweise mit ihren Vorstandskollegen absprechen. Bevor Christian die Werkstatt positiv gestimmt wieder verließ kam er noch mit einer sympatischen Dame ins Gespräch welche die "Arbeitsgruppe Info" leitete. Sie erzählte von einem bevorstehenden Fahrrad-Parcour und das sie dafür zwar gute Mechaniker und Ingenieure hatten, jedoch kein pädagogisches Personal. Auch wollte der ADFC München zukünftig mehr tun um junge Leute zu erreichen. - Eine Kooperation erschien also perfekt. Verfügen wir doch über gute pädagogische Fachkräfte und noch mehr kreative Ideen um junge Menschen zu begeistern. Als Christian der netten Dame von unserem Sizilien-Projekt und der Radtour erzählte meinte sie noch sie könne sich gut vorstellen das ADFC-München-Mitglieder daran interessiert seien, sowie der eine und die andere gerne einmal für ein paar Stündchen extra in der Werkstatt zugegen wären. Sie selbst wohnte ohnehin direkt um die Ecke und käme auch gerne einmal vorbei. - Scheinbar perfekt.
Am nächsten Tag erhielten wir telefonisch vom Geschäftsführer des ADFC-München die Zusage für eine Kooperation. Eine wirklich gute Nachricht! Nun hatten wir nicht nur eine passende Werkstatt für den Bau des Wagens, diese lag praktischerweise noch so nahe am eXtreme Bike Laden das es ein leichtes für die Mechaniker wäre ab und an vorbeizuschauen und mit Hand anzulegen. Es galt lediglich noch die Zeiten mit dem Leiter der "Arbeitsgruppe Werkstatt" abzuklären. Um sich auch sogleich erkenntlich zu zeigen sagte Christian spontan einen persönlichen Termin am kommenden Montag ab um beim Aufbau des besagten Rad-Parcours behilflich zu sein.
Der Montag verlief gut, das ADFC-Team war sehr sympatisch, wenn auch nicht das jüngste. Im Schnitt wohl 55 Jahre. Doch wirklich erfahrene Leute und mit unserem vergleichsweise "jugendlichen" Team wäre es tatsächlich zu einer guten Kooperation in beiderseitigem Sinne gekommen ...wäre... leider erhielten wir kurz darauf die Absage für die Werkstatt vom Leiter der "Arbeitsgruppe Werkstatt". Aufgrund personeller und raumtechnische Knappheit. Das erstaunte uns schon sehr, wurde die Werkstatt doch nur an zwei Abenden in der Woche genutzt und da der Geschäftsführer ohnehin am Nachmittag zugegen war galt es nur noch ein, zwei Freiwillige ADFC-Mitglieder zu finden die an weiteren Nachmittagen die Werkstatt beaufsichtigten.
Im Nachhinein wendete sich dann für den EAeV doch noch alles zum Guten. Ben, Werkstattleiter der Kinder- und Jugendwerkstatt in der Pasinger Fabrik zeigte sich spontan bereit uns die Werkstatt zur Verfügung zu stellen. Gerne auch über die üblichen Zeiten hinaus, eigenständig. Er vertraute uns sofort und meinte es sei doch super wenn man sich gegenseitig unterstützn kann - ganz im Sinne der Jugend würde die Werkstatt noch weiter ausgelastet werden. Dafür sei sie schließlich da.
Mit Ben und der Werkstatt verbanden zwei von uns ohnehin noch gute Erinnerungen, hatten wir doch schon vor zwanzig Jahren als Kinder dort unsere ersten eigenen Möbel und Holzspielzeuge angefertigt.
Der Wohnwagen-Unterbau
Die Frage der Werkstatt war also geklärt. Nun galt es den Bau in Angriff zu nehmen. Da wir einen leichten Wagen wollten entschieden wir uns für einen Unterbau aus Aluminium. Um dieses Leichtmetall zu verschweißen benötigt man allerdings einen Profi. Diesen fanden wir im Alu-Meier. Der Geschäftsführer erklärte sich schnell bereit den Unterbau nicht nur für uns zu schweißen, er würde ihn uns auch noch sponsern. Da war die Freude groß! Hätte der Auftrag samt Material doch sonst gut 500 bis 1000 Euro kosten können. Danke Herr Meier!
Da wir zwar einen exklusiven Rad-Wohnwagen bauen, doch das Rad nicht neu erfinden wollten verwendeten wir zwei 26 Zoll Fahrrad-Laufräder. Gespendet wurden diese von Rainer Momann

Der Rainer und seine Kollegen vom Cycle-Radshop hatten bereits in der Vergangenheit guten Rat für den EAeV übrig, nun auch noch gutes Rad.
Weiter geht die Reise zum Alu-Meier um die Räder zu übergeben und den Aufbau zu bestaunen. Der Thomas, ein Profi-Schweißer und ebenfalls leidenschaftlicher Radler, hatte bereits ganze Arbeit geleistet:

Das sieht doch mal richtig massiv aus! Vom Profi geschweißt. Und dank dem Aluminium deutlich unter 15 Kilogramm. Also gleich fix die Räder mit den neuen Mänteln von Schwalbe angebracht. Diese hatten uns netterweise zwei Reifensätze der pannensicheren Marathon Plus Reifen sowie Schläuche für den Notfall gesponsert.

Wieder ein paar Gramm mehr. Doch die Marathon Plus werden sich sicher auszahlen. Fünf Jahre fuhr Christian privat bereits mit ihnen ohne einen einzigen Platten. - Das heißt ein Mal ging sogar dem Marathon Plus die Luft aus, der Übeltäter stellte sich allerdings als Boden einer Bierflasche mit zentimeterlangen spitzen Zacken heraus. In dem Fall hätte wohl selbst ein Vollgummireifen einen kleinen Schaden davongetragen. - Die Marathon Plus sind also ihr Geld und geringes Zusatzgewicht allemal wert. Zuvor durfte Christian als Vielradler mindestens drei Mal im Jahr einen Reifen flicken. - Und bei 1800 Kilometer, teils mitten in der Pampa unter praller Sonne eine Panne... keine schöne Vorstellung!
Nach den Rädern wurden die Stützfüße, welche den Anhänger zum Schlafwagen machen, angepasst. Ebenfalls massive Teile die für sicheren Stand sorgen.

Alles im Lot.

Anschließend galt es eine Befestigung fürs Fahrrad anzufertigen. Für das Verbindungsstück am Rad schweißte der Thomas einen einfachen Winkel. Anschließend wurde die Deichsel mit einem Gegenstück versehen.

Beides ließ sich einfach mit dem von Handmade gesponserten Powerjoint (eigentlich das Verbindungsstück zwischen Surfbrett und Segel) verschrauben. Der Powerjoint war Rainers Idee - einfach und genial. So scheint es jedenfalls. Hoffen wir das er die 1800 Kilometer nach Sizilien aushält.
Nachdem der Wagen mit dem Fahrrad verbunden war starteten wir sogleich eine kleine Probefahrt einmal um den Alu Meier herum.

Der Wagen ließ sich erstaunlich gut lenken! - Wie gesagt, die Profis vom Alu-Meier wissen eben was sie tun.
Nun nur noch die "Holzvertäfelung" und die Plane drüber und los gehts!
- Dachten wir euphorisch. Die Holzvertäfelung war noch gute Arbeit...
...und die Planenkonstruktion erwies sich als richtig kniffelig.
Die Verkleidung des Wohnwagens.
Bezüglich der Verkleidung kamen wir vom normalen Holz schnell ab, da es schwer und naturbelassen nicht wasserfest ist. Siebdruck und Schellackplatten schienen uns als die bessere Wahl. Vom Obi in der Westendstraße bekamen wir eine schöne große Siebdruckplatte (2 Meter lang, 75 Centimeter breit und 12 Millimeter Stark) als Liegefläche gespendet. Für die Außenverkleidung waren uns die angebotenenen Platten allerdings alle zu stark. Vier Millimeter dünne wollten wir um jedes Gramm einzusparen. Nach einigem hin und her telefonieren sagte uns der Chef vom Raab Karcher aus der Bodenseestraße spontan drei Schellackplatten zu. Da wir aufgrund der Größe der Platten (2,50 Meter auf 1,25 Meter) auf die Schnelle kein passendes Fahrzeug organieren konnten bekamen wir die ersehnten Platten sogar frei Haus geliefert. Nun konnte die Verkleidung in Angriff genommen werden.

Vorab galt es noch die Radkästen zu befestigen welche uns nachträglich vom Alu Meier noch angefertigt wurden. Ebenso drei gebogene Alustangen die in der Mitte exakt 1,30 Meter hoch waren. Genug Raumhöhe um im Wagen aufrecht zu sitzen. Die Alustangen waren für uns die einfachste, schnellste und stabilste Lösung um die Plane später am Wagen anzubringen.

Christian zeigt voller Stolz den Wagen mit den Alustangen. - Nun hatte er zwar die Sponsoren aufgetrieben, doch jetzt galt es erst einmal selbst mit Hand anzulegen, das der Wohnwagen auch fertig werden würde.
Mittels der Alu-Radkästen würden wir einmal die Verkleidung schonen und zum Zweiten kann man sie im Notfall abschrauben und so besser reinigen. Zunächst einmal galt es sie anzuschrauben. - Da wir keine passenden Winkel gekauft hatten fertigten wir uns kurzerhand aus einem übrigen Stück Aluminium selbst welche an. - Kurzerhand ist gut, erst anzeichnen, Metall sägen, bohren und fein säuberlich abschleifen...



Zwei Pädagogen bei der handwerklichen Arbeit. - Nach ein paar Testversuchen hatten wir in "wenigen Stunden" die Radkästen gut am Anhänger angebracht.

Am nächsten Tag kam Vincenzo, unser sizilianischer Handwerksmeister, zur Hilfe. Was nicht passt macht er passend. Im Handumdrehen sägt er die Platten in der benötigten Länge und Breite zusammen um sie anschließend am Wagen zu vernieten.



Während Christian sich weiter daran macht aus einem langen Aluwinkel viele kleine Winkel herzustellen. Die gekauften Winkel besaßen leider zu große Löcher, so das unsere Nieten durchrutschten. Und da wir am Feiertag keine passenden nachkaufen konnten und mit dem kommenden Sonntag auch keine zwei Arbeitstage verschenken wollten galt es wieder fleißig viele kleine Metallstücke auszusägen und abzuschleifen...

Derweil testete Phönix seine neue Isomatte aus...

...und nach getaner Arbeit Christian dann die Liegefläche des Wohnwagens.

Anschließend galt es die geschaffenen vier Staufächer und den Wagen allgemein noch mittels Silikon abzudichten. Das auch von unten und den Seiten weder schlechtes Wetter noch Ungeziefer später eine Chance haben einzudringen.

Am Ende wurden die Staufächer noch mittels Klavierband mit Klappen versehen und die Radkästen sauber abgedeckt. Miteinander vernietet, verschraubt und verleimt ergaben die relativ dünnen Schallungsplatten einen stabilen Rahmen.


Nun mussten lediglich noch die Alustangen mittels Schellen sicher am Wagen angebracht werden.

Zur Geräuschdämpfung hatten wir die Stangen an den Verbindungspunkten mit Stücken eines Fahrradschlauches versehen. So knatterte nichts während der Fahrt und es hält auch noch alles gut beisammen.
- Ein Video der Testfahrt wird noch nachgereicht -
Die Wagenbauer konnten nun zurecht stolz sein.

Die Plane
Nachdem der Wagen soweit fertig war konnte nun die Plane in Angriff genommen werden. Erst einmal galt es ein gutes Grundmaterial auszuwählen. Es musste in jedem Fall wasserdicht sein und nicht zu schwer, eine freundliche helle Farbe war Christian zudem wichtig. Verwöhnt durch sein Hilleberg-Zelt, oder wie er es nannte "das Hotel unter den Zelten" bestand er auf einen sonnigen Farbton. Sebastian Ständecke von Bergfreunde.de kam all diesen Ansprüchen nach. Er besorgte uns ein ausreichend großes Tarp (Zeltersatz bzw. Notunterkunft) mit "8000er Wassersäule" in hellem gelb-gräulichem Sandfarbton. Danke Sebastian und ein Dank auch an Bergfreunde.de die uns gleich zwei der Tarps sponserten. Sollten unsere Näher eines verhunzen hätten wir noch Ersatz. Andernfalls kann man das zweite Tarp unterwegs als Unterstand bzw. Radregenschutz umfunktionieren.

Die Materialfrage war geklärt, nun galt es ein vernünftiges Schnittmuster zu entwerfen die Frage der Befestigung an den Wagen zu klären und Türen zu entwickeln. Die Befestigung stand schnell fest, Klettverschlüsse sollten die Plane unten am Wagen fest- und zugleich Moskitos fern- halten. Die Türen sollten klassisch im Zeltstil mit Reißverschlüssen versehen werden. Das Schnittmuster wollten wir nach und nach entwickeln.



Klett- und Reißverschlüsse gab es sonst eigentlich immer in einem Outdoorladen in unserer Nähe, leider konnten die Verkäufer uns dort dieses Mal nicht weiterhelfen. Schließlich fanden wir in der Stadt einen Laden der Klettverschlüsse in der benötigten Länge (zwei Mal zwei Meter für die Seiten, zwei Mal einen Meter für vorne und hinten) am Stück vorrätig hatte. Doch die Reißverschlüsse bereiteten uns weiter Sorgen. In ganz München gab es anscheinend keinen Laden der 3 Meter lange Reißverschlüsse vorrätig hatte. Alle sprachen von Spezialanfertigungen die mehrere Wochen Zeit in Anspruch nähmen, Zeit die wir nicht hatten.
Schließlich empfahl man uns Orag. Eine altehrwürdige Schneidereigenossenschaft, bei der auch viele größere Läden einkauften. Natürlich, wieso nicht gleich zu den Profis.

In dem schönen Haus gab es auch einen kleinen Laden für Direktkunden. Der Laden enthielt ein reiches Sortiment an Stoffen, Nähgarn, Knöpfen und was das Schneiderherz sonst noch so begehrt.



Auch Reißverschlüsse in Meterware hatten sie vorrätig, allerdings waren diese für Bettwäsche gedacht, etwas schmäler als gewöhnliche Reißverschlüsse und sicherlich nicht ganz so stabil. - Doch was half es uns, besser diese als keine, dachten wir. Die Ladenchefin war von unseren Projekten so angetan das sie uns die benötigten Reißverschlüsse (4 mal 3,30 Meter und 4 mal einen Meter) sowie das haltbare synthetische Nähgarn und Schrägband zum schrägen Einnähen der Reißverschlüsse gerne als Spende zur Verfügung stellte. - Danke dafür!

In der weiteren praktischen Planung mit Profis stellte sich dann leider heraus das die Bettwäsche-Reißverschlüsse sich nur von einer Seite öffnen ließen. Somit waren sie für den Fahrradwohnwagen unbrauchbar.

Das war nicht die einzige Erkenntnis die wir mittels professioneller Hilfe erhielten. Stück für Stück nahm die Konstruktion Gestalt an - jedenfalls auf dem Papier. ...Mit der Zeit auch real erkennbar:

Das Dach nahm langsam Form an, nun galt es sich den Türen zuzuwenden.

Damit der Tarp-Zeltstoff nicht zu sehr angegriffen wird hat die fleißige Schneiderin Maria die Fassung für die Türbögen aus flexiblerem und stabilerem Moskitonetzstoff angefertigt.

Bezüglich der Türen fanden wir zum Glück noch ein paar alte Zelte, so konnten wir deren Reißverschlüsse verwenden und mussten nicht zwei bis drei Wochen auf eine teure Spezialanfertigung warten. Dank unserer fleißigen Näherin waren die Türen, bald fertig. Jeweils eine äußere, regenfeste Tür und eine die zwar Luft herein, jedoch Moskitos draußen lässt. Einfach war es wohl nicht die Reißverschlüsse so schön halbrund einzunähen. Das Resultat konnte sich dennoch sehen lassen. Dafür ein großes Dankeschön an die Nähprofis.


Auch die Plane selbst war richtig professionell geworden. War der Wagen vorher schon ein Hingucker gab es nun vermehrt Bestellgesuche. Da jedoch allein der Materialwert einem Kleinwagen gleich kam, von den vielen Arbeitsstunden ganz zu schweigen, wird er wohl vorerst noch die Ausnahme auf der Straße sein. ...Doch wenn sich der Benzinpreis weiter so entwickelt...
Jetzt wo die Plane fertig war konnte es beinahe schon losgehen. Lediglich noch ein Klettband als Verbindungsstück am Wagen anbringen. Eigentlich einfach, dachten wir. In einem Baumarkt den wir hier nicht näher nennen wollen empfahl man uns einen Kleber der auch nicht nennenswert ist. Nach 48 Stunden sollte er fest sein. Sollte er...

Beim ersten Versuch gab er gleich nach. So galt es das ganze Zeug wieder vom Wagen wegzuspachteln und mit Terpentin zu reinigen.


...Die drei Arbeitstage hätten wir sinnvoller verbringen können...
Anschließend entschieden wir uns für den Klassiker unter den Klebern, Patex.


Als die Plane endlich am Wagen fixiert war konnten wir uns dem nächsten Problem nähern. Dem vollständigen Moskitoschutz. Die Türen waren zwar dicht, doch die Bögen an welchen die Türen hingen waren selbst nicht mit der Plane verbunden. So könnten seitlich Moskitos eindringen. Und während unserer schweißtreibenden Tour würden sie jeden Spalt finden & nutzen. Nach einigem hin und her entschieden wir uns dazu um die Bögen Schaumstoff zu spannen. Mit 30 Euro war er einmal ganz schön teuer - für etwas Luft mit Plastik. Und schon das Zuschneiden bereitete Probleme.

Schön gerade wurden die Schaumstoffbahnen leider nicht.
Am mittleren Bogen konnten wir die Schaumstoffbahn noch relativ leicht mit Gewebeklebeband befestigen. Weitaus wichtiger waren jedoch die Türbögen. Diese bereiteten uns erneut Kopfzerbrechen. Schließlich konnte man den Schaumstoff nicht mittels Gewebeklebeband um die Türen wickeln.
Der Härtetest
Nun galt es den fertigen Wagen noch ausgiebig zu testen. Er fuhr sich nach wie vor erstaunlich gut. Auch wenn der Windwiderstand durch die Plane selbstverständlich stärker geworden war. Während der Tour wollte Christian immerhin die Türen offen lassen, solange es nicht regnen sollte. Die letzten Wochen hatte es in München ja ohne Unterlass geregnet. Immerhin konnte man die Plane so gleich auf ihre Wasserbeständigkeit testen. - Den Test bestand sie leider nicht. Auf einer Seite drang Wasser in eine Naht ein. Auf den zweiten Blick eigentlich klar, war doch das Seitenteil auf das Dachteil vernäht. So sammelte sich das Wasser in der kleinen "Rinne". Auf der anderen Seite des Wagens war das Dachteil auf das Seitenteil vernäht, weshalb das Wasser ablaufen konnte. Unsere Nähprofis waren dabei unschuldig. Die Konstruktion kam vom Hersteller des Tarps. Gut, wenn man dieses einfach schräg als halbes Dach aufspannt ist es noch funktional. - Doch man hätte die Nähte noch abdichten können. - Zum Glück hatten wir in weiser Voraussicht die Bergfreunde.de gebeten noch einen Nahtdichter mitzugeben. Dieser langte dann auch gerade für die besagte Naht. Den nächsten Regentest bestand die Plane.

Die letzte Hürde...
Der Unterbau hält nach wie vor, Stau- und Radkästen erfüllen ihren Zweck, die Plane sitzt fest, die Türen lassen Wärme drinnen und Moskitos draußen, wasserdicht ist nun auch alles - nun lediglich noch die Aufkleber anbringen!

...Leider stellte sich heraus das auf der gewebten Plane Aufkleber keinen besonderen Halt fanden. Das heißt manche hielten, andere lösten sich über Nacht. Nun hatten wir jedoch die Aufkleber unserer Sponsoren anzubringen und zudem unsere Websites in beinahe zwei Metern Länge. Schließlich sollte die Tour dazu dienen unsere Projekte an den Mann zu bringen. ...Und an die Frau - und Kinder und Jugendliche...

Unsere Aufkleber halten -noch- , doch ein paar Sponsoren sind bereits vom Wagen gefallen.
Plan B war wieder die Verwendung von Patex. Die Schwierigkeit ist dabei das viele Aufkleber aus einzelnen Buchstaben bestehen - typische Aufkleber für Fenster oder LKW-Planen. Zudem vertrugen manche Aufkleber den Patex nicht so gut. Wir experimentierten noch etwas mit einem heißen Fön und verschiedenen Klebern ehe wir die Aufkleber at akta legten und uns nach einem Sponsor für eine bedruckte Plane umsahen. Herr Qamar, Inhaber von ABC-Beschriftungen.de erklärte sich sofort bereit. Er war so begeistert von dem Projekt das er uns vier bedruckte Planen zusagte, zwei als Ersatz. Was das Material betraf gab es nicht viel Auswahl, entweder LKW-Plane, robust, langlebig und sehr schwer, oder Fahnenstoff, anfällig für Schmutz und Risse, dafür äußerst leicht. - Beim Gedanken an die Alpenüberquerung fiel die Entscheidung leicht.
So leicht der Fahnenstoff, so großartig sah er aus als er endlich am Wagen angebracht war.

Ein Dank noch einmal an ABC-Beschriftungen.de und 2medien.de für Druck und virtuelle Erstellung der Plane.
...Nun kann die Rad-Reise über die Alpen nach Sizilien endlich losgehen!







