Kein Blitz hat uns erschlagen, dennoch lag ich noch wie erschlagen auf meinen bequemen Isomatten als in aller Hergotsfrühe ein Lastwagen die Morgenruhe störte. Er lud etwas ab und fuhr dann weiter. Ich schlief weiter bis der Wecker klingelte und dann noch etwas weiter. Schließlich konnte ich den inneren Schweinehund ein weiteres Mal besiegen. Wagen herrichten, zwei Müsliriegel frühstücken und weiter ging es. - Bis nach Landeck. Dort besah sich ein freundlicher Fahrradmechaniker aus dem "Intersport"-Laden meine Bremsen. Abwärts hatten sie ja nach dem Fernpaß übel das quietschen angefangen. "Für ein, zwei Berge taugen sie schon noch. Das Quietschen kam wohl daher das die Bremsen so heiß wurden das sie verglasten." - "Also nächstes Mal noch eher Pausen einlegen um Bremsen und Felgen zu schonen." - "Ja und nicht durchgängig bremsen." - "Ja, nach Möglichkeit bremse ich stoßweise, doch bei dem Gewicht was da von hinten schiebt..."
Eine nette Bäckerin lud mich noch auf eine Sachertorte, einen Apfelstrudel und zwei Vanillekugel Eis sowie einen Espresso ein. So gestärkt konnte es weitergehen. Ich entschied mich für die Römerstraße, mehr Höhen, dafür keine Autos. Die Bundesstraße war wieder einmal sehr stark befahren. Die Römerstraße führte mich durch schöne Wälder und kleine Ortschaften bis zu einer Holzbrücke. Zur Brücke musste man erst einmal einen richtig steilen Kiesweg hoch. Schnaufend schob ich den Wagen während Phönix vor mir hertänzelte. "Könntest ruhig mithelfen!" Doch der Hundling mag nur gern ziehen wenn es ohnehin schnell voran geht. Oben war dann der Brückenaufgang auch noch mittels Pfeiler zweigeteilt. Beim Ziehen hatte der Wagen sich zur linken, engeren Passage verschoben. Vor den ersten Holzdielen der Brücke größere Schlaglöcher. Diese galt es mit Schwung zu meistern. Mehrere Anläufe waren nötig. Jedes Mal den Wagen etwas nach hinten fallen lassen, tief einatmen und mit Schwung hoch. Endlich überwunden. Dennoch ging es nicht weiter. Ein herausragendes Stück Holz aus der Brücke hatte sich am Wagen verkeilt. Nach etwas hin und her sah ich ein das mir nichts übrig bleibt als das schwerfällige Gefährt noch einmal die Hälfte des Weges langsam runter zu lassen um den linken Weg anzusteuern. Dort gab es zwar noch größere Schlaglöcher, doch der Durchgang war etwas breiter. Das ganze kostete mich eine Viertelstunde und viel Kraft.
Nach einer kurzen Pause auf der Brücke ging es weiter. Hoch und runter, hoch und runter. Vorbei an kleinen Ortschaften, Wäldern, Feldern und Wasserläufen die alle in den nahegelegenen Inn mündeten. Dieser verlief in der Nähe, immer wieder in Sichtweite.
Endlich kam ich wieder in eine etwas größere Ortschaft. Doch das Gasthaus hatte nur bis 14 Uhr die Küche geöffnet. Es war bereits halb Drei Uhr Nachmittags. Aufgrund leichter Bewölkung konnte man den Nachmittag durchradeln. Lediglich mein Magen hatte so langsam etwas dagegen. Dann kam auch noch eine brutale Steigung. Ich zählte die Pedaltritte, Schnaufte bei jedem heftig ein bzw. aus und kam mir vor wie eine alte Dampflok die ihre letzte Bergfahrt antritt. Jeder Straßenbegrenzungspfosten den ich hinter mir ließ war ein kleiner Sieg. "Und noch einer!" Mit letzter Kraft ging es um eine Kurve. Am Ende der Kurve ein kleiner Rastplatz überfüllt von Leuten. Sie standen vor einem Reisebus. Das gab mir noch einmal einen kleinen Energieschub. Einmal der Rastplatz zum Zweiten wollte ich nicht vor Augen so vieler Leute kurz vorher schlapp machen. Ich war noch nicht ganz angekommen da waren drei Leute schon dabei mich und den Wagen abzulichten. Andere schickten sich an ihnen zu folgen. "Ein Foto fünf Euro." meinte ich spaßeshalber mit letzer Puste. - Kaum abgestiegen und eingeschnauft durfte ich dreißig Leuten erklären was es mit dem Wagen auf sich hatte. - Einer hatte gleich auf dem Handy unsere Website aufgerufen. Ehe ich weiterfuhr wünschten alle noch eine gute Reise.
Im nächsten Ort genoß ich ein Gyros mit Pommes - aufs Haus. Dazu eine herrlich kühle Limo. Und weiter ging's. Dank dem mäßigen Sommertag kam ich endlich einmal etwas voran. Um 18 Uhr brauchte ich dennoch eine kleine Pause. Eine Bank vor einem kleinen Laden lud gerade zu zum sitzen ein. Es saß bereits der Ladeninhaber darauf. Es war ein sehr sympatischer Künstler, so wurde aus der kleinen eine längere Pause. Noch dazu als er mich auf ein Bier einlud. Ich lehnte erst dankend ab, wir einigten uns dann auf ein saures Radler. Ich erfuhr das der Künstler mit sechs Jahren nach München gekommen war und in Pasing lebte. Wie ich auch! Nur etwa dreißig Jahre vor mir. Später lebte er bei Planeg wo ich gleich ums Eck zur Schule ging. Zum Abschluß schenkte er mir noch eine kleine Schnitzarbeit.
15 Kilometer schaffte ich noch, bis zum Anfang des Reschenpasses, also bis zum Aufstieg kam ich dennoch nicht mehr. Der Weg hatte sich noch ganz schön gezogen, hatte eigentlich angenommen an diesem Tag noch den Aufstieg beginnen zu können.
Vor der letzten Ortschaft wurde ein Wirtshaus angepriesen. Hungrig und mit Vorfreude auf eine warme Mahlzeit kam ich dort an. Ganz groß noch ein Schild davor "Pizzeria ab 18 Uhr". Ich parkte den Wagen um dann an der Tür ein weiteres, weitaus kleineres Schild zu entdecken: "Geöffnet: Freitag, Samstag, Sonntag." - Wir hatten gerade Dienstag. Also ohne warme Mahlzeit zu Bett. - "Passt eigentlich ganz gut, ess ich noch mein Notbrot, hab ich morgen ein halbes Kilo weniger zu schleppen." - Natürlich aß ich nicht 500 Gramm Brot alleine, da das Hundefutter heute zur Neige gegangen war teilte ich mein Brot mit Phönix. Der hatte sich an einem nahegelegenen Wasserlauf zuvor noch gelabt.






